Sonntag, 17. November 2019

Herrlich lustiges Buch über die chinesisch-deutschen Kulturunterschiede!

Rezension zu ,,Und täglich grüßt der Tigervater" von Thomas Derksen
So manch einer kann sich mit den chinesischen Eigenheiten nicht identifizieren. China ist wohl eines der Länder, die am meisten polarisieren, so ist doch in der (einseitig) politischen Berichterstattung immer nur die Rede von Überwachung, Industriespionage, Menschenrechtsverletzungen oder von der großen Bedrohung Chinas, besonders von amerikanischen Medien.
In dem Buch von Thomas Derksen soll es aber weniger um politische oder wirtschaftliche Streitereien gehen, sondern vielmehr um die chinesisch-deutschen Kulturunterschiede die eben so auftreten, wenn ein Land 8.000 Kilometer entfernt liegt.
,,Als ich vor anderthalb Jahren angefangen habe, Chinesisch zu studieren, habe ich mir fest geschworen, nie etwas mit einer Chinesin anzufangen." S. 10
So verliebt sich der deutsche Student der Ostasienwissenschaften in seinem Auslandssemester in die Chinesin Liping, und sie sich in ihn. Recht schnell ist für beide klar, dass sie nicht mehr ohne den anderen leben möchten und sie beschließen, sich jeweils der Familie vorzustellen. Besonders mit seinem Schwiegervater hat er es nicht ganz einfach und tritt in das ein oder andere Fettnäpfchen. Immer wenn man denkt, jetzt läuft es doch mal gut, kommt der nächste Fauxpas. Die Versuche von Thomas, endlich Freundschaft mit dem Schwiegervater zu schließen, sind unfassbar amüsant.
,,Wenn das Schiff an der Brücke ankommt, wird es schon einen Weg geben." S. 266
Um ehrlich zu sein, würde es wohl jedem ähnlich gehen. Wer weiß schon, dass das Wort für Huhn so ähnlich klingt wie das Wort für eine weibliche Prostituierte? Oder, dass das Anbieten einer Zigarette eine Geste fürs Freundschaft schließen ist? Oder, dass man beim Kennenlernen schon oft fragt, wie viel der andere verdient und dies völlig normal ist.
,,Dass er dir eine Zigarette anbietet, bedeutet, dass er mit dir Freundschaft schließen will. Das hast du jetzt gründlich vermasselt." S. 95
Ein herrlich witziger Bericht über Thomas Erfahrungen in China und den Unterschieden der Kultur. Die vielen Bilder in der Mitte des Buches und die chinesischen Sprichwörter tragen zum gelungenen Gesamtbild bei. Für China-Interessierte definitiv zu empfehlen, besonders für die, die vorhaben, länger zu bleiben.

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Dienstag, 18. Dezember 2018

Rezension zu "Frank Thelen - die Autobiografie"

Frank Thelens Autobiografie ist am 27.08.2018 mit 288 Seiten im Murmann Verlag erschienen.

Cover & Haptik:

Gleich beim anfassen des Buches hat man das Gefühl, etwas wertiges in der Hand zu haben. Feste, interessante Covergestaltung, jedoch ein recht schweres Buch. Gefällt mir.
Interessantes Interview passend zum Buch, indem er die Wertigkeit des Buches auch noch mal sehr interessant vermarktet, aber gut, er hat ja auch recht :-) https://www.youtube.com/watch?v=bvyhXlH4dr0

Meine Meinung:

Vielen ist Frank Thelen bis jetzt nur aus der TV-Serie ,,Die Höhle der Löwen" bekannt, so ging es auch mir. Auf mich wirkte er wie ein Gründer mit sehr viel Know-How, besonders im IT-Bereich, von dem ich aber sonst noch nicht gehört habe. Nun erscheint also eine Autobiografie von ihm, dessen Zeitpunkt er wohl nicht hätte besser wählen können, da er durch die TV-Serie sehr bekannt geworden ist und viele gespannt sein mögen, was er im Leben vollbracht hat und durchmachen musste.
 
"Und so startete ich mit 26 Jahren in mein zweites Leben. In wenigen Monaten war ich vom arroganten Multimillionär zum bodenständigen Softwareentwickler geworden. Finanziell war das ein großer Verlust, charakterlich aber der vielleicht größte Gewinn meines Lebens. Wer so hart aufschlägt wie ich, der ist für alle Zeiten geerdet." S. 48
Die Biografie ist so aufgeteilt, dass er in seiner Kindheit beginnt, seinen Werdegang erläutert und zum Schluss auf seine Ansichten zur Zukunft eingeht. Interessant ist auch, dass er in sein Buch einen Baukasten der Zukunft integriert und die wichtigsten Schlüsseltechnologien erklärt. So hat das Buch am Ende nicht nur autobiografische Inhalte sondern gleicht auch teilweise einem Sachbuch, von dem man viel lernen kann, zumal Frank Thelen ja wirklich Ahnung besitzt.
Für mich war diese Biografie in Teilen wirklich inspirierend. Ein Mann, der sehr schnell sehr erfolgreich wurde - nur um danach sehr schnell wieder von unten Anfangen zu müssen.
Anders als in anderen Biografien erklärt er in seinem Buch auch die Begriffe, die er benutzt. Für mich war vieles schon bekannt, für IT-Unerfahrene Menschen mögen aber Begriffe wie "Java" oder "Linux-Kernel" eher weniger bekannt und somit erklärenswert sein. Finde ich gut.
Interessant ist auch der Spickzettel von DHDL, den er im Buch veröffentlicht. Darauf zu sehen ist, worauf Frank Thelen beim Pitch wert legt und was er alles bedenkt.
Krass fand ich, wie er mit Jochen Schweizer in seinem Buch abrechnet. "und es ist eine objektive Beobachtung von Judith und mir, dass der Stress am Set weg ist, seit Jochen Schweizer weg ist." Danach geht er auch noch stärker darauf ein, interessante Sichtweisen, Freunde werden die beiden wohl sicherlich nicht mehr.
Durch das Buch wurde ich auch auf Firmen aufmerksam, von denen ich vorher noch nichts wusste. Lilium zum Beispiel, ein Unternehmen was sich darauf spezialisiert hat, ein Lufttaxi zu entwerfen und zu fliegen. Und dass er in Apps investiert und diese begleitet hat, die ich sogar selbst täglich nutze (Wunderlist), erstaunte mich.

"Die nächsten Zehn Jahre werden mit Abstand die herausforderten der Menschheit. Das häufig gewählte Bild des Tsunamis gefällt mir eigentlich nicht - der Mensch erscheint dabei so hilflos und passiv. Doch wir haben die Chance, aktiv zu gestalten, wir sind diesen Entwicklungen nicht passiv ausgeliefert, ganz im Gegenteil, wir können sie gestalten. [...] die heutige Führungsmannschaft ist auf erschreckende und nahezu entsetzliche Art tatenlos. Sie verwaltet nur den Status quo." S. 269 
 
Eine interessante, lehrreiche (Sachbuch-)biografie von Frank Thelen. Ich konnte vieles daraus für mein eigenes Leben mitnehmen und man konnte den Gründer ein bisschen näher kennenlernen. Cooler Typ.
"Das ist so wie mit dem Frosch, der in einen Topf gesetzt wird, in dem das Wasser langsam erhitzt wird. Der Frosch merkt die schleichende Veränderung nicht und springt nicht aus dem Topf - bis er schließlich platzt. Dieses Buch soll dazu beitragen, dass der Frosch vorher springt." S.281
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Dienstag, 30. Oktober 2018

Meinung zu ,,Der Insasse" von Sebastian Fitzek

 Seit Flugangst 7A habe ich kein Buch mehr von Fitzek angerührt, da mich dieses einfach nicht total umhauen konnte. Als ich vor wenigen Wochen auf die Neuerscheinung von ,,Der Insasse" aufmerksam wurde, konnte ich es allein wegen des Covers kaum erwarten in die Buchhandlung zu stürmen, um mal ein wenig drin zu blättern. (Um ehrlich zu sein, hätte ich das Buch auch allein schon wegen der Haptik und des tollen Aussehens gekauft, genial!)
"Vor Gericht wurde die sogenannte Brutkasten-Bestie wegen schwerster schizophrener Störungen als schuldunfähig eingestuft. Tramnitz war davon überzeugt, dass ihm böse Mächte einen Gegenstand ins Gehirn gepflanzt hätten, um seine Gedanken zu steuern."
Fitzek schafft es in den ersten Seiten Spannung zu erzeugen und diese das ganze Buch über zu halten. Dabei gab es wirklich mehrere Situationen, wo mir die Handlung plötzlich zu ,,einfach" wurde, nur um dann völlig das Brett vor den Kopf gehauen zu bekommen, da ein paar wirklich geniale Plottwists im Buch vertreten sind.
Die Story war daher für mich unvorhersehbar, auch wenn ich mir schon irgendwie dachte, dass Fitzek den Leser völlig auf die falsche Spur leitet. 

Fazit:
Für mich ein wirklich spannender und lesenswerter Psychothriller mit einem genauso genialen Cover!
5/5

Sonntag, 21. Januar 2018

Kurzreview zu der Biographie ,,Elon Musk" von Ashlee Vance

Cover:

Das Cover kann man mögen, muss man aber nicht. Es haut mich nicht vom Hocker, ist bei einer Biographie aber auch eher zweitrangig.

Meine Meinung:

Die einen sind fasziniert von ihm, die anderen sehen in ihm nur einen kleinen Träumer. Dass dieser Träumer aber nicht nur ein paar Unternehmen gegründet hat und längst kein kleiner Junge aus Südafrika mehr ist, übersehen viele. In den Medien hört man immer wieder, wie hart er scheitern und von anderen Seiten, dass er die Welt verändern wird. Was auch immer er davon schafft, ich wollte wissen wer hinter dieser Person steckt und ob die viele Bewunderung für ihn gerechtfertigt oder einfach völlig übertrieben ist.

Ehrlich gesagt ist dies meine erste Biographie und mich überzeugte direkt der lockere Schreibstil von Ashlee Vance. Sie erzählt von Musks schwieriger Kindheit, von seinen Problemen in der Schulzeit und schafft dann den Wechsel in seine Unternehmerzeit. Dabei beleuchtet sie nicht nur seine Charakterzüge (die von wirklich krank, bis sehr emotional gehen), sondern zeigt auch wie er mit Paypal, Tesla und SpaceEx aufgestiegen ist.

Fazit: Ich möchte nicht viel drumherum reden. Die Biographie hat mich wahnsinnig inspiriert. Elon Musk ist ein komischer Mensch, was ich in ein paar nachfolgenden Zitaten auch noch mal beleuchten möchte, aber zugleich einer, den man bewundern kann, für die Dinge, die er verändert und in der Zukunft noch verändern wird. Die Welt braucht Menschen, die visionäre Ansichten haben und bereit sind, diese umzusetzen. Seine Geschichte hat mich begeistert, geschockt, inspiriert und wirklich oft zum Nachdenken gebracht. Sehr empfehlenswert.

"Genaueres wollen Elon und Kimbal nicht erzählen, aber in den Jahren mit ihrem Vater haben sie eindeutig grundlegend schreckliche Dinge erlebt. Beide sprechen davon, einer Art psychologischer Folter ausgesetzt gewesen zu sein. Er hat definitiv irgendein schweres Problem mit der Hirnchemie und ich bin sicher, dass Elon und ich das geerbt haben."

"Der Junge baute sich hinter Elon auf, trat ihm gegen den Kopf und stieß ihn dann die Treppe hinunter. [...] Manche traten ihm in die Seite und der Anführer rammte seinen Kopf auf den Boden."

"Auf ihrem Hochzeitsempfang begegnete Justine der anderen Seite ihres erobernden Helden. Beim Tanzen zog er sie nah an sich heran und teilte ihr mit: Ich bin das Alphatier unserer Beziehung"

"Elon kam um 23 Uhr nach Hause und arbeitete dann noch etwas weiter. Viele haben nicht verstanden, welche Opfer er gebracht hat, um dort hinzukommen, wo er war."

"Einmal verpasste ein Mitarbeiter eine Firmenveranstaltung, um bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein. Musk schreib ihm sofort eine Email, in der er erklärte: Das ist keine Entschuldigung. Ich bin extrem enttäuscht. Sie müssen klären, wo ihre Prioritäten liegen. Wir verändern die Welt und die Geschichte und entweder sind sie dabei oder nicht."

"Ein wenig stört sich Musk dabei, dass seine Kinder es nicht so schwer haben wie er. Er glaubt, dass sein Leid dazu beigetragen hat, dass er zu dem wurde, was er ist, und dass es ihm eine Extraportion Stärke und Willenskraft gegeben hat."



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Freitag, 29. Dezember 2017

Rezension zu ,,Die Physik der Zukunft" von Michio Kaku

Das Sachbuch ist am 21.09.2012 mit 608 Seiten im Rowohlt Verlag erschienen.

Inhalt:

Wie die klügsten Köpfe der Welt unsere Zukunft sehen

Wie werden wir leben - in 20, 60, 100 Jahren? Star-Physiker Michio Kaku hat weltweit 300 Forscher von Rang danach gefragt, wie es weitergeht: mit der physikalisch-technischen Entwicklung, aber auch mit unserer Zivilisation. Er entwirft in diesem Buch das farbige Bild einer vielversprechenden Zukunft, die in den Labors von Wissenschaft und Industrie heute schon begonnen hat. (Klappentext)

Cover:

Das äußere Erscheinungsbild des Buches ist passend zum Buchinhalt und stellt wohl eine Stadt auf einem elektrischen Bauteil dar.

Meine Meinung:

Vor langer Zeit hatte ich mal wieder Lust auf ein richtig gutes Sachbuch. Den Autor Michio Kaku kannte ich bislang nicht, ich entdeckte das Buch nur irgendwann mal im Internet, bestellte es mir und hoffte, dass es vom Niveau her höher ist, als die vielen Zukunfts-Dokus von N24.

"Niemand hat wirklich den Mut, es auszusprechen, aber wenn wir durch das Wissen, wie man Gene zum Genom hinzufügt, bessere Menschen machen könnte, warum sollten wir es nicht tun?" James Watson, Nobelpreisträger

Michio Kaku hat einen wirklich angenehm zu lesenden Schreibstil, was mich ziemlich erstaunte. Es kann auch daran liegen, dass mich das Thema total interessierte, aber das Buch lies sich echt schnell lesen.
Er teilt sein Buch in 9 Abschnitte auf, 8 verschiedene Themenfelder, bei denen er versucht mittels Studien oder Meinung von anderen Wissenschaftlern ein realistisches Zukunftsbild abzugeben, das gelingt ihm recht gut. Der 9. Abschnitt ist eher wie ein normales Buch gestaltet und lässt uns einen Tag in der Zukunft erleben.

,,Während sie ihr Gesicht waschen, werden Hunderte verborgener DNA- und Proteinsensoren im Spiegeln, in der Toilette und im Abfluss aktiv, analysieren die Moleküle, die sie mit ihrem Atem und ihren Körperflüssigkeiten ausscheiden, und suchen auf molekularen Niveau nach den kleinsten Hinweisen auf eine Krankheit." S. 529

Dabei sind die Themen zugleich brisant und lehrreich. Wie werden wir damit umgehen, wenn uns Silizium in der Halbleiterindustrie nicht mehr ausreicht, wie wird der ideale Mensch in 100 Jahren mittels Gentechnik ,,erstellt" oder wann werden wir fremde Planeten besiedeln oder gar andere intelligente Lebewesen entdecken?
Zugleich fand ich interessant, wie viele Science-Fiction Autoren doch ähnliche Zukunftsvisionen haben wie die Wissenschaftler.


Fazit:
Für mich ein wahnsinnig interessantes Buch. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so fesseln würde, aber ich komme vom Staunen und Träumen nicht mehr weg. So viel dazu gelernt, ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren bewahrheiten wird.
Eines der besten Sachbücher, die ich je gelesen habe.

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Sonntag, 10. Dezember 2017

Rezension zu ,,Flugangst 7A" von Sebastian Fitzek

Der Psychothriller Flugangst 7A Von Sebastian Fitzek ist mit 400 Seiten am 25.10.2017 im Droemer Knaur Verlag erschienen

Inhalt:

Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben ...

Cover:

Kurz und Knapp: Ein schönes, zum Buch passendes Cover.

Charaktere:

Hauptperson ist der Psychiater Mats, der seit einer Weile in Südamerika lebt und trotz seiner starken Flugangst den Flieger nach Deutschland betritt um die Geburt seines Enkelkindes mitzukriegen.
Seine hochschwangere Tochter Nele erwartet ihren Vater mit gemischten Gefühlen, denn er hat sie schon lange nicht mehr besucht.
Doch es kommt vorerst nicht zu einem normalen Treffen zwischen Vater und Tochter, da Mats im Flieger erfährt, dass sie entführt ist. Und, dass seine damalige Patientin an Board ist, seelisch labil, bereit möglicherweise einen Flieger zum Absturz zu bringen.

Meine Meinung:

Ein neuer Fitzek, endlich! Voller Vorfreude habe ich dieses Buch erwartet, denn die Idee bzw. der Klappentext klang wahnsinnig interessant und habe seitdem ein wenig gerätselt, was es denn für eine tödliche Waffe gibt, die jeder an Board  bringen kann..

"Selbst wenn es einen Zwischenfall geben sollte, haben sie bei einem Absturz eine Überlebenschance von 95 %. Mit einem Flugzeug zu fliegen ist in etwa so gefährlich, wie mit einem Aufzug zu fahren." S.34

Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, man sitzt quasi mit im Flieger und erlebt Mats hautnah beim Versuch, seine Tochter zu retten. Auch die gewohnten Cliffhanger am Ende von vielen Kapiteln fehlen nicht. Fitzek schafft es einfach immer wieder, einen noch 10 Minuten lesen zu lassen, obwohl es schon spät ist.

Sehr spannend fand ich, dass Fitzek hier mal ein ganz neues Thema einbringt. So hat sein ,,Psychopath" in der Handlung eine wirklich krude Phantasie und kritisiert (fast zu Recht) unsere Milchproduktion.. Fitzek gelingt es auf kranke Weise dieses Thema zu integrieren, teilweise wie ich fand mit mahnenden Worten.

"Ich frage Sie, Nele. Haben sie sich jemals darüber Gedanken gemacht, dass Milch das einzige Produkt ist, das nicht artgerecht produziert werden kann?" S.213

Dennoch konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. An manchen Stellen kam mir das Verhalten der Charakter zu gestellt rüber, auch fand ich die Auflösung zwar gelungen, aber doch nicht überragend.

"Ich möchte, dass Sie diese Therapie rückgängig machen. Reaktivieren Sie die Gewaltfantasien Ihres Patienten. Lösen Sie erneut Mordgedanken in ihm aus. Und bewegen Sie ihn dazu, das Flugzeug zum Absturz zu bringen." S. 61

Fazit:
Wieder ein spannender Thriller von Fitzek, der mich aber nicht völlig vom Hocker hauen konnte. Aber spannendes Thema und gute Umsetzung.

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Dienstag, 29. August 2017

Rezension zu ,,Dark Matter - Der Zeitenläufer" von Blake Crouch

Der Science Fiction Roman Dark Matter ist am 27. März 2017 mit 408 Seiten im Goldmann Verlag erschienen.

Inhalt:

„Bist du glücklich?“ Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: „Willkommen zurück, alter Freund.“ Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt – doch nicht in sein eigenes Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Und in diesem Leben hat er seine Frau nie geheiratet, sein Sohn wurde nie geboren. Und Jason ist kein einfacher College-Professor, sondern ein gefeierter Wissenschaftler. Doch ist diese Welt real? Oder ist es die vergangene Welt? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Und vor die Wahl gestellt – was will er wirklich vom Leben: Familie oder Karriere? Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird …

Cover:

Ein schönes, schwarzes Cover mit einer guten Haptik. Schon oft haben mich Bücher in ihren Bann gezogen, die zwar schön, jedoch im Inhalt nicht überzeugend waren. Wie gut, dass es hier anders ist.

Charaktere:

Hauptperson ist Jason. Jason ist ein ,,einfacher" Physikprofessor an einem College, ist verheiratet mit seiner Frau Daniela und hat einen Sohn namens Charlie. Zu dritt leben sie in einer Wohnung und führen ein relativ glückliches Leben. Doch Jason fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er keine Familie gegründet hätte, sondern sein ganzes Leben der Wissenschaft geopfert hätte. Und eines Tages wird er es auch herausfinden ...

Meine Meinung:

Was für eine interessante Idee dachte ich mir, als ich mir den Klappentext zu diesem Buch durchlas. Am gleichen Tag noch bestellt, fing ich am nächsten Tag sofort an, das Buch zu lesen. Meine Vorfreude entfachte sich zu einer noch größeren Freude, denn: Das Buch gefällt mir besser, als ich dachte.

,,Wir alle wandern durch die Tundra unserer Existenz und schreiben völlig Wertlosem einen Wert zu, obwohl doch alles, was wir lieben und hassen, was wir glauben und wofür wir kämpfen und töten und sterben, so bedeutungslos ist wie auf Plexiglas projizierte Bilder." S.110

Blake Crouch hat einen einfachen Schreibstil, keine langen, schnörkeligen Sätze machen dieses Buch aus, sondern kurze und schnelle Sätze. Wie man es eben von Thrillerautoren kennt, sodass sich das Buch als totaler Pageturner offenbarte. Vielfach kritisiert in anderen Rezensionen, gefiel mir dies sehr gut. Ich könnte nicht andauernd anspruchsvolle Literatur lesen, für zwischendurch also besonders gut geeignet.

,,Es ist ein surrealer Moment. Seit ich in dem Labor wieder zu Bewusstsein kam, habe ich einen solchen nicht erlebt - ich sitze hier im Bett, im Gästezimmer meiner Frau, die nicht meine Ehefrau ist, und rede mit ihr über den Sohn, den wir anscheinen nie hatten, über das Leben, das nicht unseres war." S.127


Science-Fiction ist normalerweise nicht mein Genre, aber ab und zu verirre ich mich auch gerne und probiere andere Bücher aus. Ein Buch über Quantenmechanik und der Theorie des ,,Multiversums" war mir bis dato nicht geläufig. Der Autor brachte seine Theorien und Gedanken zu diesem Thema sehr gut herüber und versuchte auch diese Theorien zu erklären. (Im Nachwort verweist er auf verschiedene Wissenschaftler, die ihn für dieses Buch inspirierten.)

,,Das Multiversum existiert, weil jede Entscheidung, die wir treffen eine Weggabelung erzeugt, die in eine Parallelwelt führt." S.355

Der Titel ,,Zeitenläufer" finde ich ein wenig irreführend, geht es doch hier eher um einen ,,Weltenläufer". Mehr dazu sei nicht gesagt, denn die Gefahr eines Spoilers ist zu hoch und es würde das gesamte Buch versauen.
Blake Crouch erweckt einen interessanten Gedankengang mit seiner Story. Was wäre, wenn wir uns ,,unsere" Welt aussuchen könnten und wären wir damit glücklicher? Ich persönlich musste während des Lesens vielfach darüber nachdenken und fand seine Sichtweisen zu diesem Thema einfach furchtbar interessant.

,,Ich werde den Gedanken nicht los, dass wir mehr sind als nur die Summe unserer Entscheidungen, dass gerade all die Wege, die wir hätten einschlagen können, ein Teil unserer Identität sind." S. 401

Ich denke, man muss sich auch ein wenig auf das Buch einlassen. Wenn man jeden Gedankengang und jede physikalische Erklärung zu starr betrachtet, könnte es sein, dass man an diesem Buch keine Freude hat. Es ist und bleibt eben Science-Fiction, die aber auf realen Theorien basiert.

Fazit:
Ein Science Fiction Roman, bei dem der Inhalt mindestens genauso gut ist wie das tolle Cover. Mit einem leicht philosophischen Unterton erzählt Blake Crouch eine Geschichte über Quantenmechanik, Liebe und erweckt beim Leser zugleich die Frage ,,Was wäre, wenn ich mir meine Welt aussuchen könnte?".
Ich persönlich sehe mein in einem anderen Universum existierendes Ich schon im Kino sitzen, Popcorn essen und sich über die tolle Verfilmung zu ,,Dark Matter" freuen.

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